Pflegegrad Einstufung

Pflegegrad Einstufung: Kriterien, Punkte & NBA-Module erklärt

Pflegegrad Einstufung

Pflegegrad Einstufung: Kriterien, Punkte & NBA-Module erklärt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Einstufung erfolgt anhand des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) durch den Medizinischen Dienst (MD).
  • Bewertet wird die Selbstständigkeit in 6 Lebensbereichen (Modulen) – nicht der Zeitaufwand für Pflege.
  • Je weniger selbstständig eine Person ist, desto mehr Punkte – und desto höher der Pflegegrad.
  • Das Modul Selbstversorgung hat mit 40 % das grösste Gewicht.
  • Aus der Gesamtpunktzahl (0-100) ergibt sich der Pflegegrad 1 bis 5.

Die Pflegegrad Einstufung entscheidet darüber, welche Leistungen der Pflegekasse Ihrem Angehörigen zustehen – und damit oft darüber, wie gut die Versorgung zu Hause tatsächlich funktioniert. Doch wie läuft die Einstufung ab, und nach welchen Kriterien wird sie vorgenommen?

Das Punktesystem dahinter wirkt auf den ersten Blick kompliziert. Dabei folgt es einer klaren Logik – die Sie verstehen und mit der richtigen Vorbereitung aktiv mitgestalten können.

In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen Schritt für Schritt, wie das Neü Begutachtungsassessment (NBA) funktioniert, welche sechs Module bewertet werden und wie aus den Punkten am Ende ein konkreter Pflegegrad wird.

Pflegegrad Einstufung: Was wird eigentlich bewertet?

Seit dem 1. Januar 2017 bildet das NBA die Grundlage jeder Pflegegrad Einstufung in Deutschland. Es hat das alte System der Pflegestufen abgelöst, das sich vor allem am täglichen Zeitaufwand für Pflegehandlungen orientierte.

Der entscheidende Unterschied: Das NBA misst nicht mehr, wie viele Minuten Pflege jemand täglich benötigt – sondern wie selbstständig eine Person ihren Alltag noch gestalten kann. Das macht das System gerechter: Auch Menschen mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder kognitiven Einschränkungen werden jetzt angemessen berücksichtigt.

Die Begutachtung wird vom Medizinischen Dienst (MD) bei gesetzlich Versicherten und von MEDICPROOF bei privat Versicherten durchgeführt. Ein Gutachter kommt in der Regel nach Hause und bewertet die Situation persönlich.

Die Pflegegrad Einstufung im überblick: Die 6 NBA-Module

Das NBA besteht aus sechs Modulen, die verschiedene Lebensbereiche abbilden. Jedes Modul fliesst mit einer anderen Gewichtung in die Gesamtpunktzahl ein. Modul 7 und 8 des NBA werden erfasst, aber nicht in die Punktwertung einbezogen – sie dienen der ergänzenden Dokumentation:

ModulBereichGewichtungWas wird geprüft?
Modul 1Mobilität10 %Fortbewegen, Treppensteigen, Positionswechsel im Bett
Modul 2Kognitive & kommunikative Fähigkeiten15 %*Orientierung, Entscheidungen treffen, Gespräche führen
Modul 3Verhaltensweisen & psychische Problemlagen15 %*Unruhe, ängste, Aggressionen, Schlafprobleme
Modul 4Selbstversorgung40 %Waschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilettennutzung
Modul 5Krankheitsbewältigung & Therapie20 %Medikamente, Wundversorgung, Arzt- und Therapiebesuche
Modul 6Alltagsleben & soziale Kontakte15 %Tagesstruktur, Freizeitgestaltung, Beziehungen pflegen

* Wichtige Besonderheit bei Modul 2 und 3: Diese beiden Module werden nicht addiert. Es zählt nur das Modul mit der höhereen Punktzahl – und dieses fliesst mit 15 % in die Gesamtbewertung ein. Damit werden körperliche und psychisch-kognitive Einschränkungen gleichwertig berücksichtigt.

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Wie werden die Punkte vergeben?

Innerhalb jedes Moduls bewertet der Gutachter die Selbstständigkeit auf einer vierstufigen Skala. Das Ergebnis bestimmt direkt die Pflegegrad Einstufung – je höhere Punktzahl, desto grösserer Unterstützungsbedarf:

  • Selbstständig (0 Punkte) – keine Hilfe nötig
  • überwiegend selbstständig (1 Punkt) – geringe Unterstützung nötig
  • überwiegend unselbstständig (2 Punkte) – erhebliche Hilfe nötig
  • Unselbstständig (3 Punkte) – vollständige übernahme durch eine andere Person nötig

Die Rohpunkte jedes Moduls werden anschliessend gewichtet auf eine Skala von 0-100 umgerechnet und zur Gesamtpunktzahl addiert.

Praxisbeispiel: Modul 4 – Selbstversorgung (Gewichtung: 40 %)

Dieses Modul hat den grössten Einfluss auf das Ergebnis. Bewertet werden unter anderem:

  • Körperpflege (Waschen, Duschen, Zähneputzen)
  • An- und Auskleiden (Ober- und Unterkörper)
  • Essen und Trinken
  • Toilettennutzung und Umgang mit Inkontinenz

Wenn Ihr Angehöriger z. B. beim Duschen vollständig auf Hilfe angewiesen ist, beim Essen aber noch selbstständig ist, fliesst beides in die Bewertung ein – immer bezogen auf den schlechtesten Normalfall, nicht auf gute Tage.

Von der Punktzahl zur Pflegegrad Einstufung: Die übersichtstabelle

Aus der gewichteten Gesamtpunktzahl ergibt sich direkt der Pflegegrad:

PflegegradPunktebereichGrad der BeeinträchtigungTypische Situation
Pflegegrad 112,5 – 26,9 Pkt.Geringe BeeinträchtigungHilfe bei einzelnen Alltagsaufgaben nötig
Pflegegrad 227,0 – 47,4 Pkt.Erhebliche BeeinträchtigungRegelmässige Unterstützung bei Körperpflege, Mobilität
Pflegegrad 347,5 – 69,9 Pkt.Schwere BeeinträchtigungUmfassende Hilfe im Alltag erforderlich
Pflegegrad 470,0 – 89,9 Pkt.Schwerste BeeinträchtigungWeitgehend auf Fremdhilfe angewiesen
Pflegegrad 590,0 – 100 Pkt.Schwerste Beeinträchtigung + bes. AnforderungenVollständige Abhängigkeit, intensiver Pflegebedarf

Hinweis: In Ausnahmefällen kann Pflegegrad 5 auch bei unter 90 Punkten vergeben werden – nämlich wenn eine besondere Bedarfskonstellation vorliegt, z. B. der vollständige Ausfall beider Arme.

Gut vorbereitet: So beeinflussen Sie die Pflegegrad Einstufung positiv

Der Gutachtertermin ist der entscheidende Moment. Mit der richtigen Vorbereitung können Sie sicherstellen, dass die Situation Ihres Angehörigen vollständig und korrekt erfasst wird.

1. Immer den schlechten Tag schildern

Ein häufiger Fehler: Pflegebedürtige zeigen sich beim Gutachterbesuch von ihrer besten Seite – aus Scham oder dem Wunsch, nicht als hilflos zu gelten. Der Gutachter kann aber nur bewerten, was er sieht und hört. Schildern Sie deshalb immer, wie es an einem schlechten Tag aussieht: Wie viel Hilfe braucht Ihr Angehöriger wirklich?

2. Ein Pflegetagebuch führen

Dokumentieren Sie mindestens eine Woche lang alle Hilfeleistungen – wann, wie oft und wie lange. Ein Pflegetagebuch ist beim Gutachtertermin ein wertvolles Hilfsmittel und kann entscheidend für eine faire Einstufung sein.

3. Alle Einschränkungen offen ansprechen

Auch wenn Themen wie Inkontinenz, Gedächtnislücken oder Nachtunruhe unangenehm sind – sprechen Sie sie an. Alle sechs Module zählen, und gerade Modul 3 (psychische Problemlagen) und Modul 5 (Krankheitsbewältigung) werden von Angehörigen im Gespräch häufig unterschätzt.

Gut zu wissen – Miacosa berät Sie persönlich:

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Pflegegrad Einstufung zu niedrig? So legen Sie Widerspruch ein

Sie haben den Bescheid erhalten und die Pflegegrad Einstufung erscheint Ihnen zu niedrig? Dann haben Sie das Recht, innerhalb von einem Monat Widerspruch einzulegen. Wichtig dabei: Begründen Sie konkret, in welchen Modulen der Gutachter die Situation Ihres Angehörigen Ihrer Einschätzung nach falsch beurteilt hat.

Hilfreich für den Widerspruch sind: Ihr Pflegetagebuch, Arztberichte, Medikamentenpläne und Einschätzungen weiterer Pflegepersonen. In vielen Fällen wird nach einem Widerspruch eine Höheerstufung erreicht.

Anja Niemann ist Autorin dieses Artikels und berät auch gern zum Thema.